Jugendfachtagung 2019


DAs war die Jugend-Fachtagung #change

Bei der Jugend-Fachtagung 2019 #change am 12. Juni im Ursulinenhof Linz drehte sich alles um das Thema "Übergänge im Jugendalter" und wie diese am besten gestaltet und begleitet werden können.

 

Vorstandsvorsitzender Prim. Dr. Kurosch Yazdi und Mag.a Manuela Nemesch (Geschäftsfeldleiterin pro mente Jugend) begrüßten rund 280, aus ganz Österreich angereiste, TeilnehmerInnen. Auch die oberösterreichische Landespolitik war gut vertreten. Landtagsabgeordnete Mag.a Dr.in Elisabeth Manhal (i. V. für den Landeshauptmann), Landtagsabgeordneter Peter Binder (i. V. für Bürgermeister Klaus Luger) und Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer betonten einhellig wie wichtig es sei, adäquate Beratungs-, Betreuungs- und Beschäftigungsangebote für Jugendliche zur Verfügung zu stellen, im besonderen für Jugendliche und junge Erwachsene, die aufgrund psychosozialer Probleme vermehrt Unterstützung benötigten. Moderator Erwin Kargl führte kompetent und kurzweilig durch die Veranstaltung.

 

Für sowohl fachlich-spannende als auch emotionale Inputs sorgten der renommierte Wiener Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Paul Plener, und Ali Mahlodji, EU-Jugendbotschafter und Gründer der Berufsorientierungsplattform whatchado.com. Am Programm stand auch ein Vortrag zum Thema "20 Jahre Jugendwohnhaus blue.box", der von Mag.a Bettina Neumayer und DSA Simone Schweitzer gestaltet wurde.

 

Ein Sportwagen mit fehlenden Bremsen

Dr. Plener gab Einblicke in die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema psychiatrische Erkrankungen in der Adoleszenz und wie Übergänge im Setting der Kinder- und Jugendpsychiatrie auch im internationalen Vergleich gehandhabt werden. Er verglich die Adoleszenz, aufgrund der massiven Umbauprozesse in Körper und Gehirn, mit einem Sportwagen mit fehlenden Bremsen. Das häufig risikoreiche, impulsive und irrationale Verhalten sei aber zum größten Teil diesem Umbau im Gehirn zuzuschreiben, das in Zeiten der Pubertät einer Großbaustelle gleiche. Trete bei Jugendlichen dann allerdings vermehrt krisenhaftes Verhalten auf oder sogar Suizidgedanken bzw. -versuche, bräuchte es rasche, professionelle Hilfe. Dies sei besonders wichtig, um auch im späteren Erwachsenenalter das Auftreten von psychischen Erkrankungen zu verringern bzw. zu vermeiden.

 

Alle haben Potential

Sehr persönlich und emotional war der Auftritt von Ali Mahlodji. Ali bewegte das Publikum spürbar mit seiner Geschichte, die von Tiefen und Höhen geprägt war. Sein Credo lautete, Kinder bedingungslos zu lieben und immer an sie und ihr Potential zu glauben. Diese Rolle müssten und könnten aber nicht immer die Eltern übernehmen. Darum seien z. B. PädagogInnen, BetreuerInnen und andere WegbegleiterInnen hier oft sehr wichtige Bezugspersonen. Vor allem aber plädierte Ali Mahlodji dafür, unser Weltbild und unsere Vorstellungen nicht unseren Kindern vorzugeben. Wir Erwachsene sollten vielmehr von Kindern lernen und nicht umgekehrt. Und: Das Potential jedes einzelnen liege vielmehr bereits in ihm oder ihr und warte oft nur darauf, sich - mit Unterstützung - entwickeln zu können.

 

"Zeit der Genesung"

Unter dem Titel "20 Jahre Jugendwohnhaus blue.box im Wandel der Zeit. Eine Reise vom 'damals' ins 'heute'" beschrieben zwei langjährige MitarbeiterInnen, Mag.a Bettina Neumayer und DSA Simone Schweitzer, wie sich die Jugendarbeit am Beispiel des Jugendwohnhauses entwickelt hat. Sie berichteten über Haltungen und Selbstverständlichkeiten und skizzierten Betreuungs- und Interventionsideen. So sah das ursprüngliche Konzept des Pilotprojekts "Jugendwohnhaus" eine viel längere Aufenthaltsdauer vor und viele Regeln und Strukturen waren damals anders. Heute ist das Jugendwohnhaus zu einem Übergangswohnhaus für weibliche Jugendliche und junge Erwachsene mit einer psychischen Erkrankung und/oder psychosozialer Beeinträchtigung geworden. Die Jugendlichen können zwischen 13 und 23 bis zu 1,5 Jahre im Wohnhaus leben. In einem sicheren und stabilen Umfeld erhalten sie die Zeit, die sie zur Stabilisierung und Erbeitung neuer Zukunftsperspektiven benötigen. Ehemalige Bewohnerinnen beschrieben die Zeit in der blue.box als "Zeit der Genesung" und als Wendepunkt in ihrem Leben. Auch aktuelle Herausforderungen in der Jugendarbeit, wie z. B. finanzielle Unsicherheiten und wechselnde politische Rahmenbedingungen waren Thema im Vortrag.

 

Am Nachmittag wurde zu verschiedenen Schwerpunkten in unterschiedlichen Workshops weitergearbeitet. Um circa 16.30 Uhr endete die Veranstaltung mit einer Zusammenfassung durch Moderator Erwin Kargl.

 

 

Anbei befindet sich auch ein Video, das 2019 anlässlich 20 Jahre pro mente Jugend gemeinsam mit Jugendlichen produziert wurde.


Workshops

WS 1: Transgender – Modeerscheinung oder Krankheit?

Der Titel des Workshops ist bewusst provokant gewählt um den gesellschaftlichen Vorurteilen – es handle sich um eine Modeerscheinung bzw. eine Erkrankung - entgegenzutreten und das eigentliche Thema der Geschlechterdysphorie und der Transidentität zu erklären. Vor allem soll auch der Leidensdruck der Betroffenen (sowohl der Jugendlichen als auch deren Familien) in den Mittelpunkt der Erörterung gestellt werden.

Dr. Brigitte Hackenberg


WS 2: Gestalten von Entwicklungsräumen
am Übergang Schule und Beruf
Inhaltliche Auseinandersetzung anhand von Fallbeispielen aus der Praxis der Produktionsschule spacelab (Wien), Produktionsschule factory/work.box und freiraum + (Linz)
Kirsten Akrivou, Herbert Schmitzberger, Andrea Bachner, BA, Mag. (FH) Martin Heim


WS 3: Hilft mir noch jemand?
Von den Herausforderungen heutiger Jugendlicher mit besonderem Betreuungsbedarf an die Helfer im Übergang ins Erwachsenenalter. Der Übergang ins Erwachsenenalter gestaltet sich für Jugendliche mit psychischen Erkrankungen immer herausfordernder. Die PatientInnen mit erheblichen Störungsbildern
in der Jugendpsychiatrie wurden in den letzten Jahren im Durchschnitt immer jünger, der Bedarf an sozialpädagogischen und sozialtherapeutischen intensiven Betreuungssettings steigt. In Zeiten mangelnder professioneller Ressourcen gestalten sich die Übergänge aus dem stationären in den außerstationären Bereich zunehmend komplex. Sowohl die Betroffenen und deren Angehörigen als auch die Helfer sind an diesem Übergang geforderter denn je. Wie kann es gelingen, diese Gruppe von Jugendlichen in ein möglichst partizipatives Alltagssetting zu begleiten und sie am Übergang ins Erwachsenenalter zu unterstützen?
DSA Peter Wagner, Mag. (FH) Johann Gruber


WS 4: Herausforderung „Übergangswohnen“ – Wie können Übergänge gelingen?
Im Workshop beschäftigen wir uns mit der Frage, wie es gelingen kann, in einer zeitlich befristeten Wohnbetreuung die vielfältigen Herausforderungen und Problemstellungen unserer BewohnerInnen rund um Pubertät, Adoleszenz und psychischer Erkrankung zufriedenstellend zu begleiten.
Mag. Bettina Neumayer, Roland Schimpl


WS 5: Sichere Anker in stürmischen Zeiten. Neue Autorität in der Jugendarbeit.
Wie gelingt es, Jugendliche durch konstruktive Beziehungsgestaltung, wachsame Sorge und Unterstützungsnetzwerk zur Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung zu begleiten?
Mag. Christiane Leimer, Mag. Anna Jany


WS 6: Professionelles Empowerment
Dialogisch- und prozessorientierte Ziel- und Maßnahmenplanung in der Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit psychosozialen Problemlagen in der JWG green.box (pro mente Jugend) und in der Transition (Oasis Socialis gemGmbH).
Wolfgang Haydn, MA und Axel Mayr, BA


WS 7: Wenn sich die Grenzen zwischen wirklicher und virtueller Welt auflösen.
Karlheinz Staudinger, MSc


WS 8: Hilflosigkeit - ein Teil der Kompetenz
Krisen in der Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung sind notwendig. Schon diese Krisen können Eltern zu Überforderung und Hilflosigkeit führen. Wenn junge Menschen nicht zu bewältigende und dauerhafte Krisen erfahren und erleben, führt das bei den Anderen oft zu Nicht-Verstehen und zu Unsicherheit. Versuche einer möglichst schnellen Erklärung sollen da Abhilfe schaffen. Nicht-Wissen und Nicht-Verstehen strengen an und machen hilflos. Dieser Workshop möchte anregen, Hilflosigkeit als notwendigen Bestandteil der Arbeit mit jungen Menschen in Krisen erkennen und nutzen zu lernen.
Stefanie Michler, Mag. Michael Weimann

 

 

Anbei die Zusammenfassungen der Workshops:

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WS1 - Transgender.pdf
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WS 2 - Gestalten von Entwicklungsräumen
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WS 3 - Hilft mir noch jemand.pdf
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WS 5 - Sichere Anker in stürmischen Zei
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WS 6 - Professionelles Empowerment.pdf
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WS 7 - Wenn sich die Grenzen zwischen wi
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WS 8 - Hilflosigkeit - ein Teil der Komp
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Anbei der Download für die zwei Hauptvorträge:

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PPP Neumayer Schweitzer.pdf
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PPP Plener.pdf
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Hier können Sie sich das offizielle Programm herunterladen:

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Programm Fachtagung
pm jugend_tagung_web.pdf
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Wir bedanken uns bei den Unterstützern für die großzügigen Spenden:

 

Peter Mayrhuber Hörsching

Installations GmbH

Marktgemeinde Hörsching


Brandschutz GmbH