Gemeinsam in Bewegung kommen
Gemeinsam in Bewegung kommen

Den eigenen Weg ins Berufsleben finden

Was Jugendlichen beim (Wieder-)Einstieg in Ausbildung und Arbeit hilft

„Die richtungsweisende Entscheidung, welchen Berufsweg ich einschlagen möchte, ist für viele junge Menschen nicht einfach. Belastete Jugendliche haben weniger Ressourcen und Energie, um diese Entscheidung zu treffen, sich auf etwas Neues einzulassen, etwa aufgrund von Ängsten oder Depressionen oder weil sie keine Unterstützung aus ihrem familiären Umfeld erhalten“, erklärt Martin Heim, stellvertretender Leiter von pro mente Jugend.

Wie sich diese Herausforderungen im Alltag konkret zeigen, beschreiben Bewohner des Jugendwohnhauses red.box von pro mente Jugend ihre Erfahrungen so: „Anfangen war nicht schwierig. Das Dranbleiben war das Problem. Wenn zum Beispiel Stress in der Familie entsteht, kann das schnell aus der Bahn werfen.“

Beziehung als zentraler Faktor

In der täglichen sozialarbeiterischen bzw. pädagogischen Arbeit wird immer wieder offensichtlich, wie wichtig Vertrauen und Beziehung für Entwicklungsprozesse sind. „Beziehung ist ein zentraler Faktor. Jugendliche brauchen Orte, an denen sie ankommen können – und Menschen, zu denen sie Vertrauen aufbauen können“, sagt Martin Heim. „Wenn Jugendliche sichere Beziehungen erleben und merken, dass jemand Kontinuität bietet, wird Entwicklung begünstigt.“

Struktur schafft Stabilität

Neben Beziehung spielt auch Struktur eine entscheidende Rolle. Gerade Jugendliche, die längere Zeit nicht Teil des Schulsystems waren, brauchen niederschwellige Einstiege zurück in einen geregelten Alltag. „Wenn Jugendliche ins Tun kommen, erleben sie rasch Selbstwirksamkeit“, betont Martin Heim. „Gemeinsam etwas zu schaffen – daraus kann sich viel entfalten.“

An den Standorten von „AusbildungsFit work.box“ in Linz, Ried und Wels fördert pro mente Jugend in Form von Einzelcoachings, Arbeitstrainings und Workshops individuelle persönliche Stärken, soziale Kompetenzen und berufliche Fähigkeiten.

Alltag üben – Schritt für Schritt

Im Arbeitstraining geht es auch um ganz konkrete Alltagssituationen. Dabei wird bewusst in kleinen Schritten gearbeitet. „Wir üben mit den Jugendlichen zum Beispiel Vorstellungsgespräche oder Telefonate – auch Gestik, Mimik, Körperhaltung oder Begrüßungssituationen“, erklärt Manuela Feichtner, psychosoziale Begleiterin im Jugendwohnhaus red.box von pro mente Jugend. „Ein wichtiges Ziel ist es auch, die Frustrationstoleranz zu erhöhen – also negative Rückmeldungen annehmen zu können und trotzdem weiterzumachen.“

Neben beruflichen Kompetenzen werden auch grundlegende Fähigkeiten gestärkt: „Wir legen Wert auf Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit und Alltagsstruktur, wir integrieren Bewegung und einfache Übungen zur mentalen Stabilisierung, wie etwa Atemübungen oder kreativitätsfördernde Aktivitäten, in den Tagesablauf.“

Neben beruflichen Kompetenzen werden auch grundlegende Fähigkeiten gestärkt: „Wir legen Wert auf Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit und Alltagsstruktur, wir integrieren Bewegung und einfache Übungen zur mentalen Stabilisierung, wie etwa Atemübungen oder kreativitätsfördernde Aktivitäten, in den Tagesablauf.“

Träume machen Zukunft vorstellbar

Für viele Jugendliche ist ein weiterer Schritt besonders wichtig: wieder eine Vorstellung von der eigenen Zukunft zu entwickeln. „Wir spielen gemeinsam Szenarien durch – zum Beispiel, wie es wäre, einmal in einer eigenen Wohnung zu leben und unabhängig zu sein“, sagt Jutta Hartl, Mitarbeiterin im Jugendwohnhaus red.box von pro mente Jugend. Auch kreative Methoden können dabei helfen. „Visionboards erstellen, träumen, Ideen sammeln – solche Zugänge unterstützen Jugendliche dabei, ihre Wünsche überhaupt erst zu formulieren.“

Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz: Tempo herausnehmen. „Jeder Mensch ist unterschiedlich belastbar. Wichtig ist es, zuzuhören, Gefühle ernst zu nehmen und herauszufinden, was jemand wirklich gern macht.“

Ein Bewohner der red.box beschreibt diesen Prozess so: „Träume festhalten, auflisten, einen Plan gestalten. Wünsche zu Zielen machen und diese verfolgen. Das finden, wofür man brennt und was einem Spaß macht.“

Entwicklung braucht Zeit

Die Arbeit mit Jugendlichen macht immer wieder deutlich: Entwicklung verläuft selten geradlinig. Manchmal braucht es Zeit, bis junge Menschen erkennen, welcher Weg zu ihnen passt. „Jugendliche müssen oft zuerst klären, wer sie sind und was sie wollen. Wenn sie sich sicher fühlen und ihre Themen bearbeiten können, werden plötzlich große Veränderungen möglich“, sagt Martin Heim.

Die Praxis liefert dafür viele Beispiele. „Wir begleiten Jugendliche, die keinen positiven Schulabschluss geschafft haben – später beginnen sie z. B. eine Lehre und die Mitarbeiter*innen des Betriebs sind begeistert von ihnen.“

Ein Stück des Weges begleiten

Die Angebote von pro mente Jugend verstehen sich als Begleitung in einer wichtigen Lebensphase. „In unserer komplexen Welt wird es für junge Menschen zunehmend schwieriger, den Überblick zu behalten. Da ist es wichtig, dass es jemanden gibt, der ein Stück des Weges gemeinsam mit ihnen geht“, sagt Martin Heim. „Und irgendwann können die Jugendlichen ihren Weg ganz eigenständig fortsetzen.“